#94 Buchclub | Was lernen wir aus Rebecca F. Kuangs Roman Babel?

Wir haben gemeinsam den Roman Babel Von Rebecca F. Kuang gelesen, der an einer fiktiven Version der Universität Oxford in den 1830er Jahren spielt. Das britische Weltreich sichert seine Macht durch den Einsatz von einer Magie, die auf Sprache basiert. Mithilfe von Silber werden die Bedeutungsverluste manifestiert, die entstehen, wenn man versucht, Wörter von einer Sprache in die andere zu übersetzen. All das geschieht im Oxforder Institut „Babel“, wo Übersetzer:innen aus aller Welt stets neue Wortverbindungen suchen und Silberbarren schaffen. Dieses Thema liegt im Kern einer Erzählung, die große Themen wie Kolonialismus, Rassismus, Machtverhältnisse und Widerstand behandelt.

Neben unseren persönlichen Leseerfahrungen tauschen wir uns auch über die Frage aus, ob es überhaupt möglich ist, große Themen zu umreißen und gleichzeitig die Nähe zu den Figuren nicht zu verlieren.  

Höre dir die aktuelle Folge an:

Emotionale Bindung vs. Überblick

Man kann in einer Geschichte schwere Themen vermitteln, indem man eine emotionale Bindung zu den Figuren aufbaut.

Aber das geht womöglich auf Kosten der Weite, in der man das Thema ausloten kann.

Andersherum kann man ein Thema aus der Vogelperspektive beleuchten und büßt dabei die Nähe zu den Charakteren ein. Den Mittelweg zwischen beiden zu finden ist eine große, aber vielversprechende Herausforderung.

Fußnoten in „Babel“

Wenn man eine Geschichte über das akademische Leben im akademischen Stil – also z.B. mit Fußnoten und vielen wissenschaftlichen Einwürfen – schreibt, kann das für manche Menschen immersiv, für andere abweisend wirken.

Man muss immer überlegen, wen man mit seiner Geschichte abholen möchte – und wen man womöglich ausschließt.

Die Moral von der Geschichte?

Auch wenn gute Literatur nicht den Anspruch hat, Wahrheiten zu vermitteln, sucht der Mensch doch nach einer Moral von der Geschichte.

Was er findet, nimmt er mit in die Welt. Selbst, wenn man das nicht beabsichtigt, ist es wichtig, das zumindest zu berücksichtigen.


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