Wenn ich meine Mitmenschen von etwas überzeugen will, dann bereite ich im Kopf oft eine ganze Reihe von Argumenten vor. Und meistens brauche ich die gar nicht, weil schon nach dem ersten Argument klar ist, dass das eine gute Idee ist und gemacht wird. Aber ich habe doch die ganzen tollen Argumente vorbereitet. Und will sie jetzt ganz dringend noch loswerden. Statt mein Anliegen damit hieb und stichfest zu machen, nerve ich mein Gegenüber an diesem Punkt nur noch.
Das ist nur ein Beispiel für Overexplaining. Im Leben und im Roman neigen wir, insbesondere mit ADHS dazu, Dinge überzuerklären. Und genau darum geht es in dieser Folge.

Wo ist die Grenze zwischen erklären und Overexplaining?
Die Grenze zwischen Erklären und Übererklären zu ziehen ist gar nicht so leicht. Kommunikation besteht aus senden und empfangen und was beim Senden als Erklärung gemeint sein kann, kann beim Empfangen als Übererklären ankommen und umgekehrt. Manchmal können wir schlicht nicht einschätzen, welches Vorwissen unser Gegenüber mitbringt, nicht nur das Gesagte an sich spielt eine Rolle, sondern auch Kontext, Lebenssituation und Beziehung.
Menschliche Kommunikation ist komplex und manchmal kompliziert und das Thema Overexplaining ist da keine Ausnahme.
Warum neigen wir dazu, überzuerklären?
Das Bedürfnis uns sehr überzuerklären stammt sehr häufig aus der Angst heraus, nicht richtig verstanden zu werden. Wir haben Angst, uns falsch ausgedrückt zu haben, nicht alle nötigen Informationen gegeben oder Wissen vorausgesetzt zu haben, das nicht da ist. Missverstanden zu sein, vielleicht sogar für etwas verurteilt zu werden, was wir so nicht gemeint haben, lässt uns dasselbe in verschiedenen Formen wiederholen – was dann auf der anderen Seite wiederum tatsächlich missverstanden werden kann.
Oft hat das Bedürfnis überzuerklären gar nicht unmittelbar etwas mit der Person zu tun, der wir etwas erklären, sondern vielmehr mit unseren eigenen Erfahrungen, Ängsten und Umständen. Manchmal erklären wir uns dabei fast in einen Rausch. Und das ist okay, solange wir innehalten, wenn wir es merken. Und wie so oft hilft es, offen mit dem Thema umzugehen.
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